„Wir machen das!“ – Wie in Krefeld-Viersen-Meerbusch eine Kinder- und Jugendvertretung entstand

Manchmal beginnt etwas Großes ganz leise. In Krefeld-Viersen-Meerbusch lag das Thema schon länger in der Luft – immer wieder angesprochen von Gerd Witte, dem Jugendreferenten, immer wieder weitergedacht von ein paar jungen Menschen, die Lust auf mehr Mitbestimmung hatten. Der Funke sprang dann aus mehreren Richtungen gleichzeitig: das neue Kirchengesetz (KJVG) setzte einen zeitlichen Rahmen, und schon kam Bewegung in die Sache.

„Für mich war der Gedanke verlockend, als junger Mensch nicht mehr nur mit meiner, sondern gemeinsam mit vielen Stimmen zu sprechen“, erzählt Fabian aus dem Vorstand. Genau darum ging es von Anfang an: etwas von Grund auf neu machen. Selbst gestalten. Ernst genommen werden.

Der Weg dahin bedeutete natürlich auch Arbeit. Lange Sitzungen, immer wieder große Thema Geschäftsordnung und die ehrliche Herausforderung, auch schon die Kinder ab sechs Jahren mit in den Blick zu nehmen. Dazu die eigenen Zweifel: Kommt überhaupt jemand? „Wir haben häufig pessimistisch auf die Gründungsveranstaltung geguckt“, gibt Fabian zu. Rückblickend eine wichtige Erkenntnis: Man muss nicht die perfekte Vision haben, um loszulaufen. „Viel wichtiger ist, dass man etwas tut – die Vision kommt dann von alleine.“

Wie sehr sich das Engagement gelohnt hat, zeigt eine kleine Geschichte am Rande: Eine der jungen Mitstreiterinnen war während der Gründungsphase in Neuseeland und stand vor Tagesanbruch auf, um sich in die Zoom-Treffen einzuwählen. So viel Herzblut steckte für sie und viele andere in diesem Projekt.

Dann kam der 22. März 2026. Ein Sonntag, eine Kirche im Kirchenkreis, kleine Stationen in den angrenzenden Räumen, an denen sich alle austauschen und dem künftigen Vorstand Ideen mitgeben konnten. Es kamen deutlich mehr Menschen als erwartet – rund 80 bis 100, davon etwa 50 unter 27 Jahren. Sogar Sechsjährige waren mit ihren Eltern dabei und haben mitgearbeitet. Gäste aus anderen Kirchenkreisen, von der Evangelischen Jugend im Rheinland, vom Amt für Jugendarbeit, von Jugendverbänden und dem Stadtjugendring feierten mit.
Der heimliche Star des Tages: das kindgerechte Wahlsystem mit Wahlkabine und Lego-Steinen. Es kam so gut an, dass es weiterentwickelt und künftig wieder eingesetzt werden soll. Nach rund drei Stunden – irgendwo zwischen kleiner Synode, Kennenlerntag, Workshop und Gottesdienst – stand der Vorstand samt zwei Sprecher*innen fest.

Getragen wurde das Ganze von vielen Schultern: allen voran Jugendreferent Gerd Witte und Öffentlichkeitsreferentin Ramona Kullick, dazu das Amt für Jugendarbeit, das bei fast allen Treffen mit Rat und Tat zur Seite stand. Auch der Hackhauser Hof und die Jugendvertretung in Essen gaben wertvolle Impulse.
Jetzt geht es los. Auf der Liste stehen ein Sommer-Event neben dem beliebten Winter-Event (Schlittschuhhalle), Ideen wie ein Konfi-Camp, ein „Netzwerk Jungpresbyter“ zur besseren Anbindung an die Gemeinden – und ganz konkrete kirchenpolitische Mitbestimmung: Mandate bei der Evangelischen Jugend im Rheinland, Sitze in der Kreissynode, ein Wort bei der Fördergeldverteilung. „Wir wollen endlich richtige Teilhabe erleben“, sagt Felix aus dem Vorstand, „und unsere Vertretung zum unausweichlichen Partner für alle zukünftigen Entscheidungen machen.“

Der Rat an alle, die gerade überlegen, ob sie eine KJV gründen sollen? Da sind sich die jungen Menschen aus Krefeld-Viersen-Meerbusch einig:
Positiv nach vorne blicken. Einfach machen. Jeden ansprechen, der Interesse haben könnte. Und wo es hakt: Holt euch Hilfe – bei anderen KJVs, bei der EJiR, beim Amt für Jugendarbeit. „Ihr schafft das!“
Felix ergänzt einen Gedanken, der Mut macht, auch mal unbequem zu sein: „Eine Kinder- und Jugendvertretung, die Everybody‘s Darling ist, wird den jungen Menschen nicht helfen. Traut euch anzuecken, diskutiert fair, aber hart in der Sache. Hier geht es um unsere Zukunft.“

Das schönste Zeugnis für den Erfolg des Tages kam übrigens von einem staunenden Gast: „Das darf doch wirklich wahr sein. Jetzt müssen wir uns von Jugendlichen sagen lassen, was wir zu tun haben …“
Ja. Genau das. Und es ist wunderbar.