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16. SHELL-Jugendstudie

Zufriedene und zuversichtliche Jugendliche? Religion spielt keine Rolle mehr?

Neu vermessen und abgezählt hat die neue SHELL-Jugendstudie die12-25-Jährigen. In die Schlagzeilen über ihre weiter gewachsene Zukunftszuversicht und Zufriedenheit und das Bedauern, dass 10-15% „sozial abgehängt“ sind, fallen noch andere Wermutstropfen.

Ein großes Problem der Studie ist, dass nahezu alle Aussagen für die gesamte Altersgruppe getroffen werden. Sie sind also pauschal für die riesige Spanne von gerade mal in der weiterführenden Schule angekommen sein über Pubertät, erste Partnerschaften, Schulabschlussphase und Ausbildungs/Berufsentscheidung (oder Scheitern), Einstieg in Erwerbstätigkeit, in eigenständige Eltern-unabhängige Existenz oder eigenständige Hartz-IV-Existenz,  ggf. eigene Familiengründung. Und da liegen bekanntlich jeweils Welten dazwischen. Sicher werden die Daten auch altersspezifisch erhoben –aber nicht veröffentlicht und auch im interpretierenden Begleit-Text wird selten differenziert. So ist für unsere außerschulische Jugendarbeit zum Beispiel interessant, dass der Zeitpunkt, wo Freunde/Clique für die Herausbildung von Werten und Normen Vorrang vor der Familie bekommen, auf 10-12 Jahre vorgerutscht ist –aber diese Erkenntnis wird in der SHELL-Jugendstudie aus einer anderen, der World-Vision-Studie zitiert.

Dennoch: Wichtig sind auch Informationen wie: Zuverlässigkeit, Sicherheit, Ordnung sind wichtige Ziele, für die der Preis der Anpassung, des „Zertifikate“-Sammelns und einer wenig kritischen „akzeptierenden“ Haltung (nett ausgedrückt!) gezahlt wird. Oder: Faktisch haben sich Bildungschancen erhöht (also mehr Jugendliche, die höhere Schulabschlüsse anstreben als in früheren Untersuchungen und gute Chancen, sie auch zu erreichen) –aber das betrifft vor allem Mittelschicht-Jugendliche. Oder: Die Bedeutung der Familie ist gestiegen, ebenso der eigene Kinderwunsch (hier nur ab 15-Jährige gefragt) – aber nicht die Annahme, Kinder wären für ein glückliches Leben nötig. Woraus man schließen kann: Familie wichtig, eigene wäre superschön, aber faktisch gibt es doch viele viele Hindernisse und Beschwerlichkeiten...

Wichtig für die Jugendarbeit sind auch die Infos über das (und Veränderungen im) Freizeitverhalten, in der Mediennutzung etc. – gerade hier aber wäre eine altersdifferenzierte Darstellung wichtig (zum Medienverhalten empfehlen sich dazu die JIM-Studien).

Die konfessionelle Jugendarbeit interessieren natürlich ganz besonders immer die Aussagen zu Werteorientierungen und Religion. Dieses Mal wurden miteinander abgeglichen Wertehaltungen – faktische Lebenslage und Zufriedenheit. Es wurde also, flapsig gesagt, untersucht: Unter welchen Umständen kann man, auch wenn man sozial gesehen ganz oder eher schlechte Karten hat, trotzdem sehr zufrieden sein. Mit einbezogen wurden dazu neben den Wertehaltungen z.B. unterschiedliche Problemlöse-Strategien usw.
Fazit: Zur Zufriedenheit tragen natürlich Schicht und materieller Status bei (je höher, desto zufriedener), aber schichtübergreifend spielen Faktoren wie Humor, Freunde und Plan beim Umgang mit Problemen wie auch „idealistische“ Faktoren wie gesellschaftliches Interesse, Leistungsorientierung, „Recht und Gesetz“ (als Wertorientierung) und Gott (!) eine Rolle. Das sind Fragen, wie sie z.B. auch in der Resilienz-Forschung eine Rolle spielen (warum gehen nicht alle von denen, die eine schlechte Prognose haben, unter?) und die natürlich das Feld für pädagogische Interventionen öffnen.

Da  schon von Gott und seiner Wirkung auf die Zufriedenheit die Rede war: Das Religionskapitel mit gerade mal vier Seiten enttäuscht. Sicher, 2006 war die Frage Jugend und Religiosität ein Schwerpunkt, dem nicht jedes Mal so gründlich nachgegangen wird. Doch das 2010 veröffentlichte Datenmaterial ist so dürftig, dass man nicht einmal interessante Entwicklungsstränge von 2006 nachverfolgen kann. So waren damals lt. SHELL-Studie 2006 49% aller 12-25- Jährigen religiös im Sinne einer Glaubensüberzeugung, davon 30% sehr religiös (in kirchlichem Sinne, Glaube an einen persönlichen Gott), 19% glaubten an eine überirdische Macht, unsicher waren 23%, ablehnend 28%.  Für 2010 sagen die hierzu genannten Gesamtzahlen gar nichts, weil die 2006-Vergleichszahlen schlicht falsch übernommen sind. Konfessionsspezifisch lässt sich sagen: Evangelische sind gegenüber 2006 (52% gläubig, davon 30% persönlicher Gott) nur wenig vom Glauben abgefallen (49% Gläubige 2010, davon 26% persönlicher Gott), die religiöse Unsicherheit stieg von 28% auf 33%, die glatte Ablehnung sank von 20% auf 18%. Bei Katholiken ist der Einbruch größer: Statt 63% (2006, davon 40% persönlicher Gott) finden wir jetzt 54% Gläubige (davon 32% persönlicher Gott), und ein Wachstum bei Unsicherheit (von 23% auf 28%) und Ablehnung (von 14% auf 18%).
2006 konnte man deutlich sehen, dass Religiosität Jugendlichen außerhalb der großen christlichen Konfessionen (Islam) deutlich wichtiger ist. Das ist so geblieben, bedürfte aber intensiverer Analyse. Von 60% auf 57% sanken die an persönlichen Gott Gläubigen, die an göttliches Prinzip Glaubenden verdoppelten sich von 12% auf 24%, die Unsicheren sanken von 21% auf 13% und die Ablehner sanken von 7% auf 6%.
2006 war Datenmaterial veröffentlicht, dass eindeutig zeigte, dass bei den ab 15-Jährigen nicht-christlich Religiösen die Zahl Gläubiger sich sehr der der katholischen und evangelischen Jugendlichen annähert. Sicher, weil die Lockerung von der  Familie dann wirkt. So einen Effekt können wir leider nicht nachverfolgen, wir haben einfach keine Zahlen.

Zusammenfassung der Shell-Studie 2010 als pdf

 

 

 

 

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