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Tagungsbericht

Kinder und Jugendliche und die Zukunft der Kirche: Vom Norden lernen heißt: anderswo sparen!

Derzeit werden Daten zur zweiten großen Tübinger Konfirmandenstudie erhoben (ebenso EKD-weit und international wie die erste, erschienen 2009 *). Auf einer Tagung Anfang Oktober** wurden erste Ergebnisse vorgestellt.

Professoren und Doktoren tanzen die Jugendarbeit Professoren und Doktoren tanzen die Jugendarbeit

Besonders erkenntnisreich: die Beiträge aus Finnland, Norwegen, Schweden, der Schweiz und Ungarn.
Denn: Der „doppelte“ oder sogar „dreifache“ demografische Knick, also ganz erhebliche Einbrüche bei Tauf- und Konfirmationszahlen, ist dort z.T. dramatisch weiter fortgeschritten als bei uns (noch). „Dreifach“ heißt: erstens weniger Geburten und damit Kinder und Jugendliche überhaupt; zweitens unter den wenigeren noch weniger potentiell evangelische; drittens: jetzige und kommende junge Elterngeneration ist, selbst wenn der Kirche zugehörig, in viel geringerem Maße als frühere religiös sozialisiert. So ging in Schweden der Anteil jedes Geburtsjahrgangs, der konfirmiert wurde, zwischen 1991 und 2012 von 80% (Staatskirche bis 2000) auf 30% runter, ähnlich Norwegen. In der Schweiz halbierte sich der Anteil von Kirchenmitgliedern in der Bevölkerung zwischen 1980 und 2010. In Finnland hingegen nehmen stabil fast 90% jedes Geburtsjahrganges (noch) an der Konfirmandenzeit teil.

Verschiedene Konzepte der Gegensteuerung
(Siehe auch http://www.evangelische-jugend.de/wup2014 , Folien der bzw. Vorträge der einzelnen Referenten)
Der schwedische Referent prognostizierte eine Fortsetzung dieses Abwärtstrends für alle nordischen Länder und „Germany too“ – unsere Zahlen, siehe z.B. im Vortrag von Prof. Dr. Schweizer, verhalten sich eher zeitverzögert. Umso interessanter war also, wie anderswo gegengesteuert wird. Nämlich, flapsig zusammengefasst, nach dem Motto: Alles rein, was wir haben – in Kinder und Jugendliche.
In Schweden wird neben bzw. in der Konfirmandenarbeit ein großes Jugendarbeitsprogramm angelegt, denn: „…muss die Kirche neue Anwerbemöglichkeiten und neue Foren finden, um Jugendliche anzusprechen“. In Norwegen endet gerade die Implementierungsphase einer erfolgreichen groß angelegten (staatlich statt schulischem Bekenntnis-Religionsunterricht mitfinanzierten) „Graswurzelreform“, mit deren neuen Programmen, Angeboten und Methoden in den Gemeinden Religions- und Glaubensunterricht als das, was wir unter Kinder- und Jugendarbeit verstehen, praktiziert wird (Maßgaben z.B.: große Formate, hohe Teilnehmerzahlen erreichen, Integration und Differenzierung, breitenorientiertes Normalprogramm, „Event als Normalform der Glaubenserziehung“). Der Erfolg der finnischen Konfirmandenzeit, ihr „Must be“-Charakter für Jugendliche, besteht nicht zuletzt in der erlebnispädagogischen Gestaltung von Konfirmandenzeit und anschließender fast obligatorischer 50-Stundenschulung in der Gemeinde zum „Young Confirmed Volunteer“, der dann aber auch in Kindercamps und Jugendclubs aktiv wird. In der Schweiz setzt man, da Religionsunterricht sich nicht als Ersatz für religiöse familiare Sozialisation bewährt hat, auf ein „Gesamtkatechumenat“, vernetzt Vor- und Primarschule mit Kinder- und Jugendarbeitsangeboten und der Konfirmandenzeit in einer Angebotskette, und tätigt hohe Investition in Personal‐ und Ressourcen für den „Versuch neuer Sozialisation und Beheimatung“ und zwar unter „Zurückhaltung gegenüber festen dogmatischen Programmen und institutionellen Vorgaben“.

Alles rein was wir haben – aber rechtzeitig!
„Investitionen sind unbedingt notwendig und sollten so früh wie möglich beginnen“ – dieses Fazit gibt der Schweizer Referent uns in Deutschland mit. Es fällt schon sehr auf, dass in den Kirchen, die Jugendarbeit in unserem Sinne nicht kannten, deren Etablierung letztlich die Zukunftsperspektive bringt – und klassische Konfirmandenarbeit und Religionsunterricht sozusagen ersetzt, auch wenn die Begriffe anders lauten. Insofern mein persönliches Fazit aus dieser Tagung: Jetzt in Kinder- und Jugendarbeit investieren, nicht wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist!

Ute Sparschuh / Oktober 2014


* U.a. Bd 3: Wolfgang Ilg, Friedrich Schweitzer, Volker Elsenbast, Konfirmandenarbeit in Deutschland, Empirische Einblicke – Herausforderungen –Perspektiven, Gütersloh 2009
** Drittes Forum Wissenschaft und Praxis von aej und ESG in Kooperation mit der Eberhard Karls Universität Tübingen (Lehrstuhl Friedrich Schweitzer),1./2. Oktober 2014 in Berlin, Thema „Übergänge – Anschlüsse – Brüche. Schnittstellen zwischen der Arbeit mit Kindern, der Konfirmandenarbeit und der Jugendarbeit im europäischen Vergleich.“

 

27.10.2014

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