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Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit

Trockene Wüste und süße Trauben

Vor kurzem endete ein gemeinsames internationales Projekt der Ev. Schüler/innenarbeit im Rheinland e.V., esr und der koptisch-orthodoxen Jugend in NRW in Ägypten. Claudius Rück hat einen Reisebericht mitgebracht.

Gruppenbild LupeGruppenbild

Nachts in der Wüste

Wenn der europäische Wüstenromantiker eigentlich Stille erwartet, rauscht draußen gleichmäßige die Autobahn zwischen Alexandria und Kairo und in den Schlafräumen surren Ventilatoren, die die Hitze erträglich machen.

Das war nur eine der Überraschungen, die die jugendlichen Teilnehmer_innen der Begegnungs- und Studienreise aus Nordrheinwestfalen ins weit entfernte Ägypten erwarteten.
Christinnen der koptisch-orthodoxen Gemeinde Düsseldorf und aus dem Teilnehmerkreis der Evangelischen Schüler- und Schülerinnenarbeit im Rheinland starteten Ende Juli für gut zwei Wochen zu einer Fahrt, die Elemente der internationalen Jugendbegegnung und eines Workcamps miteinander kombinierte.

Erstes Ziel war die Gemeinschaft „Anaphora“ - eine internationale und nationale Begegnungsstätte der koptischen Kirche nordwestlich von Kairo.
Hier lebten die Teilnehmenden in der Gemeinschaft mit – von der morgendlichen Frühmesse bis hin zum Abendgebet. Dazwischen: Unterstützung der freiwilligen Mitarbeiter_innen von Anaphora bei ihrer alltäglichen Arbeit. Ob Stühle für eine bevorstehende Konferenz stellen, Beteiligung an landwirtschaftlichen oder hauswirtschaftlichen Tätigkeiten oder – mehr Spaß als Arbeit – Reinigung des Swimmingpools. Fünf Tage und Nächte tauchten die Jugendlichen in eine fremde Welt ein, stöhnten unter der ungewöhnlichen Hitze und genossen das fremde aber leckere ägyptische Essen.

Traubenlese und Abuna

Die folgenden Tage waren eher sozialarbeiterischen Tätigkeiten gewidmet. Im Freizeitheim der St. Marcus-Gemeinde, noch weiter nördlich von Kairo, warteten zunächst Mädchen und junge Frauen aus Oberägypten gemeinsam mit ihren ehrenamtlichen Helfern auf die Menschen aus Deutschland. Diese mischten vor allem im Freizeitprogramm mit – nachdem sie neugierig betrachtet und für unzählige Fotos herhalten mussten. Je blasser und blonder desto begehrter. Für einige der Reisenden nicht nur eine angenehme Erfahrung, als Exot oder Exotin beguckt und vielleicht sogar angefasst zu werden. Das „Aneinander-Gewöhnen“ ging dann aber doch ganz rasch und der Exotenstatus verlor sich.
Zudem waren die Mitwirkung an der Traubenlese und ein Informationsaustausch mit Vertretern der Gemeinde zusammen mit dem Gemeindepfarrer auf dem Programm, der hier mit Ehrfurcht Abuna, Vater, genannt wird.

Koptisch-orthodoxe Jugendliche aus Deutschland, meist mit afrikanischen Familienwurzeln und die Evangelischen von der ESR mussten immer auch ihre eigene kulturelle Begegnung organisieren. Nicht selten waren sie überrascht, wie deutlich sich Alltag, Lebenseinstellungen und nicht zuletzt Glaube und Spiritualität voneinander unterscheiden, selbst wenn man in der gleichen Stadt lebt oder gar zur gleichen Schule geht. Auseinandersetzungen und Verständigungen die auch im vierköpfigen Leitungsteam der Veranstaltung nicht zu kurz kamen. Da waren das Gewöhnen an ägyptische Umplanungsleidenschaft und großzügige Zeitgestaltung fast die kleineren Hürden.

Getanzte Inklusion

Der letzte Abschnitt des Workcamps war im Vorfeld mit besonders viel Sorge und zu Beginn zumindest für die meisten Jugendlichen aus Deutschland mit großer Unsicherheit verbunden. Etwa 25 Bewohnerinnen eins Behindertenheims würden im gleichen Haus eine dreitägige Freizeit verbringen. Der „Job“ der deutschen Freiwilligen: Zum Einen, die ägyptischen Haupt- und Ehrenamtlichen bei der Alltagsarbeit – vom Gepäck- und Matratzen-Schleppen bis zur Hilfe beim Essen zu unterstützen. Hauptsächlich ging es aber um individuelle Begegnung. Und hier waren die Sprachprobleme plötzlich deutlich im Hintergrund. Bei vorsichtigen oder wilden Ballspielen, beim Rutschen und Schaukeln oder einfach nur „An der Hand nehmen“ reichen Augen und Lachen aus. Noch mehr, wenn Musik und Tanz im Spiel sind. Bis spät in die Nacht lernten die Deutschen den „Piano-Tanz“ und die ägyptischen Kinder- und Jugendlichen Formationshüpfer aus Europa.
Hier wurde dann Begegnung im doppelten Sinne gelebt: zwischen Europa und Nordafrika und zwischen Normalos und Behinderten. Getanzte Inklusion.

Der schwierige Abschied voneinander wurde durch die Aussicht, die letzten Tage mit gepflegtem Nichtstun am Strand zu verbringen versüßt. Vier Tage Mittelmeer vor der Haustür – das war Erholungs- und Belohnungsurlaub vom Feinsten.
Zwischendurch waren die ESRler_innen gemeinsam mit ihren orthodoxen Mitreisenden in Klöstern und Kirchen, in Kairo und – natürlich – an den Pyramiden.

Das internationale Projekt wurde vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und aus Mitteln des Förderplans der Ev. Kirche im Rheinland bezuschusst.

Die Jugend der koptisch-orthodoxen Kirche mit (einem) Sitz in der Gemeinde in Düsseldorf organisiert die Jugendarbeit der Gemeinde von Sonntagsschule bis Jugendtreffen und arbeitet seit einigen Jahren mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) in Hannover zusammen. Im Rahmen eines vom Bundesministeriums für Frauen und Jugend geförderten Projekts erarbeiten sich die koptischen Jugendlichen eigene Strukturen, bilden Ehrenamtliche aus und versuchen so, ihre Arbeit auf breitere und festere Füße zu stellen.

Die Evangelische Schüler- und Schülerinnenarbeit im Rheinland (ESR), Düsseldorf ist ein Jugendverband mit Sitz in Düsseldorf, der auf die Bibelkreise (BK) zurückgeht, die sich vor über 125 Jahren gründeten. Heute ist die ESR hauptsächlich in der Bildungsarbeit und mit Schülerinnen und Schülern befasst. Ein Schwerpunkt bildet dabei die internationale Begegnungs- und Freizeitarbeit. Die ESR arbeitet intensiv mit Schulen in NRW und Rheinland-Pfalz in der schulnahen, non-formalen Bildung zusammen.

ESR und Koptische Jugend kooperieren seit 2011 lose miteinander.

Weitere Informationen und Bilder über
Claudius Rück, ESR,
c.rueck@esr-online.de

 

29.08.2012

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