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Lebenswelten junger Muslime in Deutschland

Aufregung um Desinformation über eine Studie

Eindeutige Falschmeldungen - angeblich sind nahezu 20% der (jungen) Muslime in Deutschland integrationsunwillig und neigen zur (fundamentalistischen) Radikalisierung - durchzogen letzte Woche die Presse-Schlagzeilen. Wirklich wahr ist:

Es wurde eine im Auftrag des BMI erstellte Studie bzw. der Abschlussbericht dazu vorgestellt. Inhalt der rund 700 Seiten laut Untertitel: „Ein „sozial- und medienwissenschaftliches System zur Analyse, Bewertung und Prävention islamistischer Radikalisierungsprozesse junger Menschen in Deutschland“ (Untertitel, veröffentlicht unter:
http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2012/junge_muslime.pdf?__blob=publicationFile).

Wie der Untertitel schon sagt: Es geht nicht um die Frage, und schon gar nicht repräsentativ, ob und wie viele der jungen Muslime in Deutschland (hier untersucht: 14-32-Jährige) überhaupt „integrationswillig“ sind. Die Autoren betonen immer wieder, wie wenig repräsentativ ihre Stichprobe (Telefoninterviews mit 2 mal 500 muslimischen Bürgern aller Altersgruppen!) ist und dass es ihnen um die Erfassung der Zusammenhänge etwa zwischen z.B. (religiösem) Traditionalismus, Integrationsneigung und Radikalisierungstendenzen geht – und nichts anderes wird auch ausgesagt.

Selbst diese Begriffe werden ausgesprochen vorsichtig in Items und Indikatoren gefasst und etwa „Radikalität“ als bestenfalls „gradueller Prozess von Einstellungs- und Verhaltensänderungen“ beschrieben (S.119). Und weil das alles eben sehr komplex und differenziert zu betrachten ist, kommen dann schon mal Zahlen wie „in sechs Fällen“ oder „nur ein einziger Effekt“ (S.327) mit in das Interpretationsmuster – aber eben zur Erklärung möglicher Zusammenhänge, nicht zur Behauptung quantitativer Tatsachen. Sehr interessant ist deshalb auch etwa das Variablennetz, das einige dieser Zusammenhänge erklären kann (z.B. S. 597). Wobei man sich ja einiges schon dachte und sicher auch an Menschen christlichen Glaubens beobachtet, nämlich dass traditionelle Orientierung, traditionelle Religiosität und hierarchische Orientierung gerne Hand in Hand gehen (S. 316).

Besonders empfehlenswert ist, weil eben Zusammenhänge aufgezeigt werden, die „Theoretische Schlussfolgerungen – Thesen“ (S.638-667), in der fundiert und knapp wichtige Hinweise gegeben werden, die auch wir in der Jugendarbeit zu beherzigen versuchen (sollten), wenn wir von Diversity-, inklusiven, subjektorientierten oder auch traditionell Multikult- Konzepten reden!

Wie schon Prof. Dr. Schlesewsky sagte, der über "Neuronale Grundlagen sprachlicher Universalien" forscht:
"Lesen schadet nicht."

Sparschuh / März 2012

Weitere seriöse Kommentare dazu:

http://www.jugendhilfeportal.de/imfokus/migration/artikel/eintrag/kritik-an-pauschaler-verurteilung-junger-muslime-als-integrationsverweigerer/
Selbstverständlich bleibt schon mehr als ein „Geschmäckle“, wenn sich gerade das Innenministerium um junge Muslime kümmert. Besser aufgehoben sind Jugendfragen wohl beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dort erschienen ebenfalls zwei Studien zum Thema (allerdings unter dem Aspekt „Migration“, nicht „Islam“):
http://www.jugendhilfeportal.de/imfokus/migration/artikel/eintrag/bundesfamilienministerin-stellt-studien-zu-rollenbildern-und-gewaltphaenomenen-bei-jungen-muslimen-i/  
und bei der Konrad-Adenauer-Stiftung:
http://www.jugendhilfeportal.de/jugendsozialarbeit/artikel/eintrag/neue-publikation-lebenswelten-und-denkmuster-muslimischer-kinder-und-jugendlicher-in-deutschland/

 

14.03.2012

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